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Ute Redeker-Sosnizka
Essen in Frankreich
Einmal saß ich mit einem Freund in einem Restaurant in Frankreich. Auf der Speisekarte stand "ris de veau", was ich sachkundig mit "Irgendwas vom Kalb" übersetzte. Und wer kennt das nicht: Im Urlaub rätselt man vor der Speisekarte. Was ist salsifis? Und pissalat und pissenlit? Das gewöhnliche Wörterbuch ist in solchen Fällen schnell überfordert. Spezialwörterbücher helfen weiter. Das schönste und beste, das ich kenne, heißt "Essen in Frankreich". Schon der bunte Einband mit Abbildungen von typischen Küchengeräten macht Lust auf's Stöbern. Das Wörterverzeichnis lässt im französisch-deutschen Teil keinen Wunsch offen. Dazu kommt eine Liste der Käsesorten sowie eine Sammlung von Formulierungen aus Kochrezepten.
Obwohl das Buch auch einen dünnen Teil Deutsch-Französisch enthält, kann man nur zur Not empfehlen, es französischen Freunden zu schenken, die die deutsche Küche erkunden möchten. Semmelkloß, Maultasche oder Saumagen sucht man vergeblich. Das ist nicht weiter schlimm, denn dafür ist das Buch nicht gedacht.
Für jeden aber, der in Frankreich essen gehen, einkaufen oder kochen möchte, ist dieses schön gemachte Buch unbedingt zu empfehlen!
Ach ja: pissalat ist eine Würzpaste, pissenlit ist Löwenzahnsalat, und meinem (zum Glück unerschrockenen) Freund habe ich mit ris de veau zur Bestellung von Kalbsbries verholfen.
Ute Redeker-Sosnizka
Essen in Frankreich. Restaurantdolmetscher. Koch- und Küchenwörterbuch. BOD Norderstedt 2007, 256 Seiten, Broschiert, 18 Euro.
M.E.
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Silvia Bovenschen
Älter werden
Bei der Fußballweltmeisterschaft 2002 nahm sich die deutsche Mannschaft eigenartig zurück. Da war nicht der Siegeswille, der 4 Jahre später zu spüren war, sondern geradezu schüchtern erreichten die Spieler das Finale. Mit einer Ausnahme: Oliver Kahn, der Torwart, Er war die einzige tragische Figur in dieser deutsche Mannschaft, "er hat sich seine Fallhöhe erarbeitet, die anderen haben nur einen Kater".
Diese treffende Schilderung ist einem Buch entnommen, in dem man sie nicht unbedingt erwartet: "Älter werden", den "Notizen" der Literaturwissenschaftlerin Silvia Bovenschen.
Es ist durchaus möglich, dass die an multipler Sklerose erkrankte Autorin sich selbst manchmal in der Rolle einer kämpfenden Löwin sieht. Ihre Schilderungen körperlicher und seelischer Zusatände sind manchmal schroff und unbarmherzig, aber nie larmoyant.
Silvia Bovenschen hat ein geistvolles Buch geschrieben, das über sein Thema hinaus als eine kleine Phänomenologie des Alltags gelesen werden kann.
Silvia Bovenschen
Älter werden
Frankfurt (S. Fischer) 2006, Gebunden, 154 Seiten, EUR 17,90.
B.B.
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Rainer Schmitz
Was geschah mit Schillers Schädel?
Wer eine kurzweilige und anregende Lektüre für Zwischendurch - in der S-Bahn, im Wartezimmer oder vor dem Einschlafen- sucht, ist mit Rainer Schmitz Nachschlagewerk "Was geschah mit Schillers Schädel?" bestens beraten. Das Buch hat allerdings einen großen Nachteil: Es ist zu schwer (anderthalb Kilo)!
Ansonsten findet sich unter den Stichworten von A ("Wenn Schwächlinge anfangen, über den ersten Buchstaben des Alphabets nachzudenken, können sie ganz schnell dem Wahnsinn verfallen", befand Rimbaud) bis "Zylinder" für jeden Geschmack etwas: Wissenswertes, Überflüssiges, Nützliches und Kurioses. Nicht immer erscheinen die Schriftsteller in günstigem Licht. Unter dem Stichwort "Ehebrecher" etwa steht lapidar: "Gibt es unter den Literaten zu viele, um sie hier zu nennen." Unter dem zunächst harmlos wirkenden Eintrag "Herbstfrische in Dachau" wird ein Brief von Hanns Johst, 1933 Intendant am Berliner Staatstheater, zitiert mit seinem Vorschlag, Thomas Mann wegen der Aktivitäten seines Sohnes Klaus zu inhaftieren. "Seine geistige Produktion würde ja durch eine Herbstfrische in Dachau nicht leiden". Ganze 12 Seiten nimmt auch der Beitrag zu dem Stichwort "Gefängnis" ein - eine lange Liste von Schriftstellern, die eingesperrt und zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Zu weiteren Nachforschungen ist für interessierte Leser unter jedem Beitrag die Quelle angegeben. Querverweise bei den Stichwörtern führen zu weiteren themenverwandten Stichwörtern. Auch wer systematisch Informationen zu einem Schriftsteller nachgehen will, kommt mit dem alphabetischen Personenregister schnell zu den richtigen Stellen, da die Spaltenzählung (statt Seiten) das Auffinden erleichtert.
1200 Einträge zu fast 4000 Dichterinnen und Denkern hat Rainer Schmitz in 25 Jahren gesammelt und in 1722 Spalten dem interessierten Leser zugänglich gemacht. Nur auf die Titelfrage "Was geschah mit Schillers Schädel?" bekommt man keine endgültige Antwort: Zeitweise gab es zwei Schiller-Schädel, vielleicht ist keiner echt!
Schmitz, Rainer
Was geschah mit Schillers Schädel?
Alles, was Sie über Literatur nicht wissen
(Eichborn) Gebunden, 916 Seiten, 39,90 Eur[D]
S.E. | |
Tim Harford Ökonomics
Warum kann ein Café seine Gewinne maximieren, wenn es verschiedene Kaffeesorten anbietet? Tim Harford analysiert in lockerer Sprache die ökonomischen Zusammenhänge und insbesondere die Geheimnisse der Preisbildung. Seine Beispiele sind aus dem praktischen Leben gegriffen, Beobachtungen im Café, im Supermarkt oder beim Autokauf.
Das Bestechende dieses Buches liegt an seiner Einfachheit. Die ganze Welt (oder wenigstens ihre Ökonomie) wird erklärt mit simpel gestrickten Modellen. Das ist lehrreich und sinnvoll, denn Modelle, die so kompliziert sind wie die Welt, die sie beschreiben sollen, sind ebenso wenig verständlich wie die zu beschreibende Welt. Aber es ist manchmal auch eine beschränkte Sicht der Dinge.
Harford singt ein Loblied auf die Entwicklung Chinas. Im Vergleich zu kommunistischen Zeiten ist das berechtigt. Aber wenn China sich zum Beispiel nicht an Urheberschutz und Patente hält, ist das eine Verletzung der ökonomischen Spielregeln und man muss sich durchaus fragen, ob der freie Welthandel (mit China) unter dieser Bedingung so sehr für alle von Nutzen ist wie Harford uns das Glauben macht.
Trotzdem ist Harfords Ökonomics ein lehrreiches, die ökonomischen Zusammenhänge erhellendes Buch, das jedem, der Marktwirtschaft besser verstehen möchte, empfohlen sei.
Harford, Tim
Ökonomics
Warum die Reichen reich sind und die Armen arm und Sie nie einen günstigen Gebrauchtwagen bekommen
(Riemann Verlag) Gebunden 384 Seiten, 18,00 Eur[D]
B.B.
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